Bebrassie

Icon-76@2x DR»Bebrassie« ist viel mehr als eine App. Es ist eine Software-Komplett-Lösung, um das eigene Spiel digital zu erfassen, auszuwerten und zu archivieren. Aber eins nach dem anderen.

Wer seine Runden statistisch auswerten möchte, der musste in der Vergangenheit zusätzlich zum Score meist sehr viele Sachen während der Runden mitnotieren: getroffene Fairways und Grüns, kurze Schläge und Putts. Wollte man darüber hinaus auch noch eine Auswertung wie bei den Profis, die einem am Ende auch sagt, wo man seine Stärken und Schwächen hat, musste man sogar zu jedem Schlag notieren, aus welcher Lage er gespielt wurde und wie weit es vor dem Schlag bis zu Fahne war.

Das hat nun ein Ende. Denn ein paar Jungs aus München und Regensburg haben mit »bebrassie« eine App entwickelt, die die Golfrunde vollautomatisch aufzeichnet und dabei auch noch Schläge erkennt. Anschließend muss man die Runde noch kurz bearbeiten und schwupps hat man seine Auswertung inklusive genau der gleichen Statistiken wie auf der PGA Tour (Strokes Gained).

Ich habe »bebrassie« einem Praxistest unterzogen und eine Runde damit gespielt. Die App ist die ersten 30-Tage kostenlos, anschließend sind dann € 4,99 pro Monat fällig. Abgebucht wird ganz easy über den Apple Account. Ich registriere mich schnell über die App, gebe ein paar Grunddaten ein und los geht es. Ich spiele den Golf- und Land-Club Regensburg, einen sehr schweren, weil mitten im Wald gelegenen Platz. Der Platz wird mir auch gleich auf dem ersten Abschlag angezeigt, das GPS weiß ja wo ich bin. Ich wähle – ganz mutig – das weiße Tee und los geht es. Ich schlage ab. Das Telefon – mein iPhone 7 – stecke ich in meine hintere Hosentasche, dort erkennt es auch gleich den ersten Schlag: das Telefon vibriert. Mir macht es übrigens nichts aus mit dem Telefon in der Hosentasche zu spielen, weil ich das sowieso immer so mache. Wenn man das Telefon in die Golftasche packt, dann kann das Telefon zwar nicht erkennen, ob ich geschlagen habe, aber es zeichnet trotzdem auf, wo ich langlaufe. Ich werde das nachher mal testen.

Vor meinem zweiten Schlag zücke ich das Telefon aus der Hosentasche und probiere mal den Rangefinder aus. Hätte ich eine Smartwatch könnte ich mir das sparen und die Entfernung bis Grünanfang, -mitte und –ende würde mir dort angezeigt. Zur Überprüfung laser ich die Entfernung und stelle fest: es stimmt. Neben dem Rangefinder hat die App auch noch einen Birdiemaker inkludiert, auf dem man jegliche Stelle auf dem Loch einmessen kann. Außerdem verfügt die App über eine elektronische Scorekarte bei der man seine Schläge und seine Putts erfassen kann. Wie ich später feststelle, beschleunigt die Nutzung der Scorekartenfunktion die Nachbearbeitung enorm. Und meine Lieblingsfunktion habe ich auch schon entdeckt… Der Rangefinder zeigt mir genau an, wie weit ich vom Abschlag entfernt bin. Ich kann also endlich sehen, wie kurz ich geworden bin.

Da ich oft in Regensburg spiele, benötige ich den Rangefinder und den Birdiemaker nur ganz selten. Das das Aufzeichnen oder „Tracking“ wie man neudeutsch sagt läuft, sehe ich an einer laufenden digitalen Uhrzeit unten rechts – wie praktisch: da weiß ich jetzt schon gleich, wie lange ich schon spiele. Ich komme gut voran, es ist wenig los.

Da ich von keinen nervigen Telefonanrufen gestört werden möchte, schalte ich das Telefon in den Flugmodus. Das Tracking läuft weiter. Kein Problem. Prima.

Am Ende der Runde – ich bin ziemlich erschöpft – stoppe ich das Tracking in dem ich in der Rangefinderansicht auf den Stop-Button drücke. Das hätte ich beinahe aber nicht hinbekommen, das ist ein bißchen versteckt. Nun werde ich gefragt, ob ich das Tracking wirklich beenden möchte. Ja, möchte ich. Die Dialoge sind übrigens alle in Englisch. Das ist mir bis dahin zwar noch gar nicht aufgefallen, aber für den ein oder anderen ist das vielleicht ein bißchen gewöhnungsbedürftig. Da ich während der Runden meinen Score nicht in die Scorekarte eingegeben habe, muss ich jetzt am Ende der Runde ein bißchen überlegen. Das nächste Mal schreibe ich es gleich in die App. Anschließend lade ich meine Runde auf den Server hoch.

Die Nachbereitung mache ich nicht am Telefon, sondern am iPad. Das finde ich prima. Die Runde ist nach dem Hochladen automatisch von überall verfügbar. Ich könnte also auch morgen im Büro… Nein, ich mache es jetzt gleich.

Die Anwendung läuft jetzt über den Browser, daher ist jetzt auch alles in Deutsch. Das ist schön und erleichtert das Bearbeiten. Die Optik ist erstmal sehr ähnlich wie auf dem Telefon und ich gehe zur Rubrik »Edit Rounds«. Meine Runde liegt, so lange sie noch nicht nachbereitet wurde, bei den unsignierten Runden. Das ist logisch.

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Ich rufe meine Runde auf, gehe auf »Visual Edit« und sehe nun eine Birdiemaker ähnliche Lochgrafik der ersten Spielbahn und einer Tabelle mit meinen gemachten Schlägen. Da ich ja vorher meinen Score und meine Putts eingegeben habe, ist das jetzt schon super vorbereitet. Auf der Lochgrafik sehe ich meinen Laufweg – hui ich laufe aber viel rum – und auf meinem Laufweg sind rote Kreise. Die roten Kreise sind genau da wo ich geschlagen habe. Cool! Außerdem liegen auf der Lochgrafik weiße Kreise mit Zahlen, die miteinander verbunden sind. Das sind also meine Schläge. Die Nachbereitung ist aber nicht automatisiert, d.h. ich muss jetzt manuell die weißen Kreise auf die roten Punkte schieben. Das geht super. Einfach Finger drauf und verschieben. Der weiße Kreis am Abschlag passt schon von alleine, ich muss also nur den Schlag auf dem Fairway positionieren. Ach wie praktisch, während ich den weißen Kreis zu meinem zweiten Schlag verschiebe, ändern sich in der danebenstehenden Tabelle die ganzen Daten automatisch. Eine Spalte enthält die Lagepunkte des Balles, also z.B. Tee oder Fairway. Dann gibt es eine Spalte mit Angaben zum Schläger. Hier sind ein paar Standardschläger voreingestellt, das muss ich dann später nochmal ändern. Cool ist aber, dass den Schlägern anscheinend auch Schlaglängen hinterlegt sind, weil wenn ich den weißen Punkt verschiebe, dann ändert sich ab einer bestimmten Entfernung der Schläger. Bei mir wird für den zweiten Schlag tatsächlich auch das Pitching Wedge angezeigt, was ich auch geschlagen habe. Eine weitere Spalte enthält die Entfernung zur Fahne und die Entfernung zwischen den Schlägen. Und es gibt eine Spalte mit der Schlagart. Das wird wahrscheinlich für die Statistik wichtig sein.

Um die Putts auf dem Grün genau zu platzieren gibt es einen Button namens »Zoom Green«, der in der Ansicht direkt das Grün vergrößert. Um das aber exakt zu machen, muss man sich tatsächlich an die Position der Fahne erinnern können. Zwar helfen die Laufspuren (hier hatte ich das Telefon ja noch in der Hosentasche), aber das GPS ist doch ein wenig ungenau. In der Tabelle sehe ich, dass man die Putts quasi bis auf den Zentimeter genau positionieren kann, was sicherlich für die Profis gut ist. Ich mache es ein bißchen grober, achte aber darauf, dass die angezeigt Putt-Kategorie stimmt. Eine weitere coole Idee, den Putts Kategorien wie S, L oder XL zu geben. Sehr anschaulich. Man merkt die Jungs, die das entwickelt haben, sind Golf-Nerds.

Pro Loch brauch ich fast zwei Minuten, so dass ich am Ende über 15 Minuten benötige, um alle Löcher nachzubereiten. Aber ich muss sagen: ich habe jetzt schon was gelernt. Denn die ganze Runde nochmal durchzugehen, hat mir aufgezeigt an welchen Stellen ich mich taktisch total blöd verhalten habe. Das muss beim nächsten Mal besser werden. Auf den zweiten neun Löcher hatte ich zu Testzwecken mein Telefon in der Golftasche und habe somit eine erkannten Schläge mehr angezeigt bekommen. Aber, ich muss sagen, die Nachbereitung geht auch so tadellos. Man sieht an meinem Laufweg wirklich schön, wo ich geschlagen habe. Es bildet sich dort in der Laufspur so eine Art Knubbel und meist gehe ich nach einem Schlag auch nicht geradlinig weiter.

Nach dem Bearbeiten des letzten Loches kann ich meine Runde schließlich signieren. Jetzt geht’s zur Auswertung in »View Stats«. Da ich nur eine Runde im System habe sind die meisten Statistiken noch nicht sehr aussagekräftig, aber bei Strokes Gained bekomme ich einen ersten Eindruck von der Qualität der Zahlen. Bereits im Überblick wird mir auf einer sehr übersichtlichen Grafik aufgezeigt, wo ich gegenüber einem PGA Tour Spieler Schläge verloren habe. Unterschieden werden dabei vier Bereiche: Vom Tee, Langes Spiel, kurzes Spiel und Putten. Direkt darunter befindet sich die Scorekarte und eine Option die Runde nochmal Loch für Loch durchzugehen.

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Ich gehe als erstes zur detaillierten Strokes Gained Statistik, denn das ist das was die großen Jungs von der PGA Tour auch machen. Der Overview ist optisch identisch, aber hier kann man nun in jeden einzelnen Bereich hineinschauen. Da ich die meisten Schläge im langen Spiel verloren habe, möchte ich mir anschauen, woran es hapert. Und was ich sehe, beeindruckt mich. Hier wird mir in 10 Meter Schritten angezeigt, wo ich gut und wo ich schlecht bin. Und das Ergebnis stimmt: Ich bin einfach unter 100 Meter nicht gut genug. Hier verliere ich über 4 Schläge gegen den durchschnittlichen Spieler auf der US Tour. Wem dieser Vergleich zu sehr frustriert, der kann sich auch mit anderen Spielstärken vergleichen. Das probieren ich aus und muss frustriert feststellen, dass ich auch gegen eine Dame mit Hcp. 9 (oder wie es hier heißt ePR) unter 100 Meter wenig Chance hätte.

Also diese Statistiken „rocken“ ziemlich. Wenn ich mir vorstellen, dass ich jetzt ein paar Runden mit bebrassie tracke, dann bekomme ich mal eine richtig coole IST-Standsanalyse von meinem Spiel.

Neben Strokes Gained finde ich auch noch die Kategorie Schläger & Entfernungen sehr interessant. Hier bekommt man neben der durchschnittlichen Schlagweite auch den Median seiner Schläge angezeigt. Und man sieht sehr schön, bei welchen Entfernungen man Lücken in der Längenabdeckung hat. Alles in allem ist die Statistikecke schön umgesetzt und sehr anschaulich designed.

Ein weiteres cooles Feature von »bebrassie« ist, das man seine Runde auch in sozialen Medien teilen kann. Und was ist schöner als seinen Freunden nicht nur von der eigenen Runde zu erzählen, sondern ihnen die Runde auch zu zeigen. Dabei werden übrigens auch die während der Runde gemachten Fotos angezeigt. So kann man gleich die schlechte Lage des Balles fotografieren, um sie als Ausrede für den miserablen Schlag zu nutzen.

Ach, eine Sache habe ich noch vergessen: Da ich regelmäßig mit meinem Trainer an meinem Spiel arbeite, ist es mir sehr wichtig, dass der Trainer auch weiß, wie ich spiele. Bislang bin ich dafür immer mal wieder ein paar Loch mit ihm über den Platz gegangen. Doch das klappt immer seltener, weil er auch immer weniger Zeit hat – er ist einer der guten Pros. Mit »bebrassie« kann ich ihm aber jetzt Zugang zu meinen Statistiken und Runden geben und er kann daraus dann die Inhalte für unser gemeinsames Training ableiten. Das finde ich echt super praktisch!

Mein Fazit ist absolut positiv. Die Abovariante ist sicherlich für den ein oder anderen (kostenlos) App-Nutzer ein wenig ungewohnt, aber man bekommt tatsächlich ein sehr innovatives und wirklich hilfreiches Gesamtpaket. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Trackinglösungen von GameGolf, Arccos oder Shot Scope allesamt über € 250,– kosten, wirkt das Jahresabo für € 49,99 eher günstig.

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Fakten zur Golf-App »bebrassie«

  • Über 30.000 Golfplätze weltweit
  • Digitale Scorecard, Birdiemaker und Rangefinder mit Smartwatchanbindung
  • Automatische Schlagerkennung im langen Spiel
  • Strokes Gained Statistiken von der PGA Tour
  • Spielstärkenberechnung sowie alle klassischen Statistiken (wie GiR, FiR usw.)
  • Verfügbar für iOS und Android
  • Nachbereitung an iPad oder Rechner möglich
  • Share-Funktion von gespielten Runden
  • Connection mit PGA Pro möglich
  • 30-Tage kostenlose Testphase
  • € 4,99 pro Monat oder € 49,99 im Jahr

>> Hier gibts die App